Manga und Anime? Was ist das?Manga ist schlicht und einfach das japanische Wort für Comic. Anime ist eine Abkürzung für Animeshion, was wiederum eine japanische Verballhornung des englischen Animation ist. Mit Mangas bezeichnet man also japanische Comics, während mit Anime japanische Zeichentrickfilme gemeint sind. Die Begriffe Manga und Anime sind natürlich nicht grundsätzlich für Japan reserviert, werden aber zur leichteren Unterscheidung in der Regel so eingesetzt. Gelegentlich verwendet man sie auch für Produktionen, die zwar nicht aus Japan stammen, aber den Stil bekannter japanischer Produktionen imitieren. Im Unterschied zum abendländischen Comic sind die japanischen Mangas eine in allen Altersschichten beliebte Lektüre. Dementsprechend gibt es sie zu allen möglichen Themen. Neben den bei auch bei uns bekannten Genres, wie Kindergeschichten, Action, Fantasy oder Superhelden, gibt es auch Mangas die sich an ein älteres Publikum richten, wie Krimis oder Politthriller. Sehr verbreitet sind auch Sportgeschichten und romantische Komödien. Und dann gibt es auch noch Mangas, die sich überhaupt nirgends einordnen lassen. Mangas erscheinen in der Regel zunächst in monatlichen, telefonbuchdicken "Heften". Ein solches Heft enthält verschiedene, thematisch einigermassen zusammen passende Serien. Es werden auch regelmässig Leserumfragen gemacht, um festzustellen, welche Serien besonders beliebt sind. Unbeliebte Serien werden aus dem Programm gekippt. Besonders beliebte Serien werden vom Verlag nochmals in Buchform separat verlegt. Verkaufen sich die Bücher, so stehen die Chancen gut, dass der Manga auch nach Europa kommt. In punkto Themenvielfalt gilt für Animes dasselbe wie für Mangas. Es ist in Japan völlig normal, Zeichentrickfilme zu produzieren, die sich an ein jugendliches oder erwachsenes Publikum richten. Oft werden Animes abgedreht, die Hollywood als Realfilm umgesetzt hätte. Allerdings sind die wenigsten Animes Kinofilme. Sehr viele Animes werden fürs Fernsehen produziert. In Japan ist es üblich, dass die Folgen wöchentlich erscheinen, nicht täglich, wie in Europa und Amerika. Dafür laufen innerhalb einer Woche mehr verschiedene Serien. Aufgrund der wöchentlichen Ausstrahlung sind japanische TV-Produktionen relativ kurz. Eine typische TV-Staffel hat 26 Folgen, was bei wöchentlicher Ausstrahlung ein halbes Jahr ergibt. Bringt man die Folgen hingegen täglich, so hat man die Staffel in einem Monat durch. Darum findet man hierzulande im Fernsehen vor allem Serien, von denen es entweder mindestens drei Staffeln gibt, oder die von sich aus ewig lang sind. Eine Spezialität Japans schliesslich sind die sogenannten OVAs oder OAVs. OVA steht für "Original Animated Video". Diese Animes werden speziell für die Videotheken hergestellt. Eine OVA hat meist zwischen 1 und 13 Folgen, die allerdings auch schon mal deutlich länger als die beim Fernsehen üblichen 24 Minuten sein können. Die Qualität ist in der Regel besser als bei TV-Serien, kommt aber noch nicht an Kinofilme heran. Häufig werden OVAs als Pilot für TV-Serien gebraucht. Übrigens ist es unter Fans nicht gern gesehen, wenn man vom "Mangafilm" spricht, denn Mangas und Animes werden in Japan als etwas prinzipiell verschiedenes angesehen. Die künstlerischen Mittel sind sehr unterschiedlich. Nur wenn ein Anime erfolgreich ist, wird manchmal noch ein Manga dazu produziert (bzw. umgekehrt). In der Regel wird die Geschichte dabei aber stark abgeändert. Manchmal bleibt nichts ausser den Hauptcharakteren. Was es hingegen gibt, sind die sogenannten Animecomics. Dabei handelt es sich um Comics, die aus Einzelbildern eines Animes und hinzugefügten Sprechblasen und Lautworten bestehen. Ist das nicht Schmuddelware?Nein. Zumindest nicht generell. Die ersten Mangas und Animes, die auf den europäischen Markt gelangten, gehörten dem Genre "Erotik" an. Das hat zu einem schlechten Image geführt. Allerdings stehen Mangas und Animes da nicht allein. Als die ersten CD-ROMs auf den Markt kamen, erging es ihnen gleich. Bei den ersten Computerspielen auf CD-ROM mussten die Verteilgesellschaften den Verkäufern häufig versichern, dass es sich nicht um irgendwelche Pornosachen handelt. BeispieleHier ein paar Beispiele bekannter Mangas und Animes: Dragonballist einer der bekanntesten Mangas überhaupt. Der dazu gemachte Anime gehört ebenfalls zu den erfolgreicheren. Dragonball ist eine ziemlich wilde Mischung aus Fantasy, Superhelden, sowie europäischer und asiatischer Mystik. Die Charaktere basieren (sehr frei) auf dem alten, chinesischen Roman "Die Reise nach Westen". An Dragonball wird häufig kritisiert, dass die Story nur durch das ständige Auftreten noch stärkerer Gegner vorangetrieben wird. Mann spricht sogar vom "Dragonball-Effekt". Einen interessanten Aspekt hat Dragonball aber: Es ist eine der wenigen Serien, in der die Protagonisten altern. Sailor Moongehört zu den Serien, die man entweder liebt oder hasst. Etwas dazwischen scheint nicht möglich zu sein. Sailor Moon ist prinzipiell ein Superheldenmanga (bzw. -Anime) mit weiblichen Superhelden. Jedoch brachte er einen Aspekt mit, der, zumindest in Europa, bisher wenig Beachtung fand: Während in den meisten Superheldenstorys der Alltag ausgeblendet wird, oder lediglich schmückendes Beiwerk abgibt, ist er bei Sailor Moon von zentraler Bedeutung. Die Charaktere sind eigentlich mehr mit sich selbst als mit irgendwelchen Gegnern beschäftigt. Mit diesem Konzept hat sich die Serie schnell eine riesige Fangemeinde erobert. Auf der anderen Seite hat sich aber auch eine ebenso riesige Hassergemeinde gebildet. Neon Genesis Evangelionist wiederum eine Sache für sich. Vordergründig handelt es sich um eine simple Actionserie mit Riesenrobotern, aber das dient nur als Vehikel für die eigentliche Geschichte. Die spielt sich nämlich in den Köpfen der Protagonisten ab. Als Folge davon ist die Geschichte aber nicht so einfach verständlich, wie es zunächst den Anschein macht. Vor allem im letzten Drittel wird es sehr komplex. Mehrfaches Ansehen wird empfohlen. Die Serie ist ursprünglich als Anime erschienen. Ein Manga, der eine etwas geraffte Version der Geschichte wiedergibt, ist derzeit in Arbeit, und teilweise erschienen. Der Titel wird übrigens häufig falsch ausgesprochen: Er ist lateinisch, nicht englisch. Ghost in the Shelldarf auf einer Seite mit dem Titel P2501 natürlich nicht fehlen. Hier muss man klar zwischen dem Manga und dem Anime unterscheiden. Grundsätzlich handelt es sich bei beiden um eine Science-Fiction Geschichte (near future), die sich um die japanische Geheimagentin Motoko Kusanagi, einem weiblichen Cyborg, dreht. Aber der Erzählstil ist völlig anders. Der Manga ist eine Actionstory, die immer wieder mit witzigen Elementen durchzogen ist. Der Anime wirkt dagegen vergleichsweise düster und klaustrophobisch. Beide Geschichten haben ihren Reiz, aber es sind eben verschiedene Geschichten. LinksProtoculture
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